Fidei Donum - „Geschenk des Glaubens"

In seiner am Ostersonntag 1957 verkündeten Enzyklika „Fidei Donum" erinnerte Papst Pius XII. daran, dass die Mission ein Anliegen aller Christen ist - und nicht bloß, wie man zuvor vermeint hatte, die Aufgabe der „Spezialisten" der Missionsorden, d.h. vor allem der Ordenspriester. Er rief die Bischöfe in Europa und in Nordamerika dazu auf, Weltpriester in die unter Priestermangel leidenden Ortskirchen zu entsenden, vor allem nach Afrika. Doch es zeigte sich, dass der Aufruf des Heiligen Vaters tatsächlich weniger Afrika zugutekam als vielmehr dem Europa in kulturell-kirchlicher Hinsicht näherliegenden Lateinamerika.

Seit 1957 waren bzw. sind mehr als 1.000 deutsche Weltpriester als Fidei-Donum-Priester in den Kontinenten des Südens tätig. Sie leisten eine bewundernswerte Arbeit, oft in den ärmsten Gegenden und unter schwierigen Bedingungen. Die Fidei-Donum-Priester zeigen, dass wir Weltkirche sind.

Michael Huhn, Adveniat

 

Die Liebe Gottes bezeugen - an der Seite der Armen

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Prälat Bernd Klaschka, Geschäftsführer von Adveniat.

Erfahrungsbericht von Prälat Bernd Klaschka

1976 bat mich der damalige Bischof von Münster, Heinrich Tenhumberg zu überlegen, ob ich für einige Zeit als Kaplan nach Cardonal, Diözese Tula in Mexiko gehen wolle. Das Bistum Münster pflegt seit 1968 eine intensive Patenschaft mit dem Bistum Tula in Mexiko und hat in dem Dorf Cardonal ein Sozialzentrum aufgebaut. Cardonal liegt in einer der ärmsten Regionen Mexikos, dem Valle de Mezquital. Priester und Pastoralreferenten aus Deutschland arbeiten dort mit Einheimischen in der Pfarrei, unterhalten eine kleine Fabrik, die landwirtschaftliche Geräte herstellt und motivieren die Menschen sich besser zu organisieren und sich in Genossenschaften zusammenzuschließen.

Nach langem Zögern entschloss ich mich, der Bitte von Bischof Tenhumberg zu entsprechen. Denn für mich war es ein Schritt ins Ungewisse. Meine Vorstellungen für die zweite Kaplansstelle im Bistum Münster war ganz anderer Art gewesen. Auch der Abschied von der Familie, von den Freunden würde mir schwer werden. Im Prozess der Entscheidungsfindung gewann für mich die Person des Abrahams, der sich auf Gottes Geheiß in ein fremdes Land aufgemacht hatte, eine immer größere Bedeutung. Sie gab mir spirituelle Kraft, Vertrauen loszulassen und in die Fremde aufzubrechen.

Heute kann ich sagen, dass die Entscheidung, den Schritt ins Ungewisse zu tun - ich kannte Mexiko nicht, ich kannte dort keinen Menschen - mein Leben entscheidend geprägt und ihm eine bestimmte Richtung gegeben hat. Lateinamerika hat mich seitdem nicht mehr losgelassen, insbesondere die Begegnung mit den Armen.

Das Wort aus dem Lukas Evangelium: „Den Armen eine gute Nachricht zu verkünden" wurde dabei für mich zur Richtschnur. Lateinamerika, insbesondere Mexiko und dort das Volk der Otomí wurden mir zur zweiten Heimat. An einem ganz bestimmten Ort, Menschen die einen konkreten Namen haben, die arm sind, die Liebe Gottes in Wort und Tat zu verkünden, bestimmte mein Handeln und beeinflusste die Richtung, in die sich mein Leben bewegen sollte. Sechs Jahre konnte ich in Cardonal leben und arbeiten, oft unter sehr schwierigen Bedingungen. Es gab an vielen Orten kein Licht, kein fließend Wasser, keine Straßen. Aber es wohnten Menschen dort, die auf die befreiende Botschaft des Evangeliums warteten, die ihr Leben aus dem Glauben gestalten wollten.

Obwohl ich aus einem anderen Land kam, die Sprache „Otomí" nicht verstand, nahmen die Menschen mich in ihre Gemeinschaft auf. Insbesondere bei der Feier der Eucharistie erfuhr ich, dass ich Teil einer Kirche bin, die sich über die ganze Erde erstreckt, in der alle Sprachen gesprochen werden und die in allen Kulturen anwesend ist.

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Bernd Klaschka (3.v.l.) unterwegs in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos.

Eine Frage, die mich seit der ersten Begegnung mit Menschen begleitet, die arm sind, die zu vielen Gütern des Lebens keinen Zugang haben bzw. der ihnen verwehrt wird, und mich immer wieder spirituell und pastoral herausfordert, lautet: Wie kann man die Liebe Gottes zu den Menschen, besonders zu den Armen in der Nachfolgegemeinschaft Jesu Christi bezeugen?

Das Zeugnis kann sich nicht auf das Wort allein beschränken. Denn das Wort Gottes ist Fleisch geworden, heißt es im Johannes-Evangelium. Gottes Wort bewirkt persönliche Veränderung und macht auch nicht halt davor, in gesellschaftliche Situationen hineingesprochen zu werden, um diese zu verändern. Diese Überzeugung beeinflusst auch meine Überlegungen und Entscheidungen in meiner jetzigen Aufgabe als Geschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat. Nicht zuletzt aufgrund meiner Lateinamerika-Erfahrung haben mich die Bischöfe in Deutschland mit dieser Aufgabe betraut.