Priester im Konflikt

Die meisten Priester im populären Unterhaltungsfilm haben ihre Rolle gefunden. Sie sind kompetent als Problemlöser, ob bei Kriminalfällen oder bei sozialen Konflikten. Sie mischen sich in die Belange dieser Welt ein und sind dabei höchst erfolgreich. Ihre eigentliche Funktion als Priester wird oft nur in kurzen Szenen, die sie beim Gottesdienst - vorzugsweise bei der Predigt - zeigen, sichtbar. Es gibt aber auch Filme, in denen der Priester nicht die Probleme Anderer löst, sondern sich mit seiner eigenen Rolle und den existentiell bedrängenden Fragen auseinandersetzen muss. Das nach wie vor beeindruckendste Werk des spirituellen Kinos ist Robert Bressons Verfilmung eines Romans von Georges Bernanos, „Tagebuch eines Landpfarrers" (1950). In asketischen Schwarz-Weiß-Bildern schildert Bresson die Konflikte des von Krankheit gezeichneten Landpfarrers in der flandrischen Provinz, der mit seinem Glauben ringt. Bressons Film entstand zu einer Zeit, als Georges Bernanos als einer der Hauptvertreter christlicher Literatur hoch in Kurs stand. Aber auch in den 80er Jahren gelang dem Franzosen Maurice Pialat, der sich als selbst Agnostiker bezeichnete, mit dem Film „Die Sonne Satans" (1987) eine eindrucksvolle Bernanos-Verfilmung, die einen äußerlich robusten Priester - Gerard Depardieu - zeichnet, der sich im Ringen um Heiligkeit in einer vom Bösen überschatteten Welt existentiell aufreibt.

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Priester Greg (li.) hat ernste Probleme. (Quelle: Archiv FILM-DIENST)

Der spanische Regisseur Luis Buñuel, der sich als „Atheist von Gottes Gnaden" bezeichnet und Zeit seines Lebens mit seiner katholischen Herkunft auseinandergesetzt hat, war immer ein scharfer Kirchenkritiker. In „Nazarin" (1958/59) schuf er das eindrucksvolle Porträt eines Priesters in Mexiko, der die Christus-Nachfolge ernst nimmt, die Option für die Armen und Benachteiligten in den Vordergrund stellt und daran scheitert, dass die böse Wirklichkeit die Verwirklichung christlicher Ideale nicht zulässt.

Zu den umstrittensten Filmen, die sich explizit mit der Priesterrolle auseinandergesetzt haben, gehört „Der Priester" (1992) von der englischen Regisseurin Antonia Bird. Der dem sozialen Realismus des britischen Kinos verpflichtete Film stellt einen jungen Priester in den Mittelpunkt, der mit seiner homosexuellen Neigung in Konflikte gerät. Der Film ist alles andere als spekulativ, sondern zeigt mit durchgängig ernster Absicht den Konflikt eines engagierten jungen Mannes, der sich aufrichtig bemüht, seine Rolle als Priester gut auszufüllen. Neben der Hauptfigur gibt es weitere Priesterfiguren, die das thematische Spektrum erweitern.

Dr. Peter Hasenberg