Priester in der Schule

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Pater Ludger Joos SJ erteilt Religionsunterricht am Kolleg St. Blasien. Foto: Barbara Waldvogel

Auf vielfältige Weise können Priester in der Schule tätig sein. In vielen Bundesländern gibt es in den Stundenplänen der Grundschulen so genannte Kontakt- oder Seelsorgestunden. Hier bekommen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die Priester und deren Gemeinde, den Kirchenraum, kirchliche Einrichtungen und Verbände, kurzum das Gemeindeleben besser kennen zu lernen. Priester können Religionsunterricht in Förderschulen, Grund- und Hauptschulen, Kolleg und Gesamtschulen, Gymnasien und Berufskollegs erteilen. Auch können sie den Kontakt zu den Religionslehrerinnen und Religionslehrern pflegen, die in jenen Schulen unterrichten, die innerhalb der jeweiligen Pfarrgemeinde liegen. Zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel Schuljahrsbeginn und -ende, Einschulung und Schulentlassung feiern Priester mit der Schulgemeinschaft Gottesdienste. Priester, die als Schulseelsorger tätig sind, stehen beratend und begleitend für seelsorgliche Gespräche zur Verfügung. Vereinzelt sind Priester auch Schulleiter in Schulen, die von Bistümern, Ordensgemeinschaften oder kirchlichen Stiftungen und Vereinigungen getragen werden. Unabhängig von ihrer konkreten schulischen Tätigkeit, ist es Aufgabe der Priester, der Kirche in der Schule ein Gesicht zu geben.

Lern- und Lebensort Schule

Dabei ist zu beachten, dass Schule in erster Linie ein Lernort ist. Weil Schule gegenwärtig aus mehreren Gründen einen immer breiteren Raum im Leben der Schülerinnen und Schüler einnimmt, wird sie mehr und mehr zu einem Lebensort. Viele Kinder und Jugendliche verlieren deshalb den Kontakt zu anderen sozialen Räumen; so auch zur Kirchengemeinde oder zu kirchlichen Jugendverbänden. Umso wichtiger ist es, dass die Kirche neue Möglichkeiten sucht, in der Schule verbindlich präsent zu sein.

Was macht Schulpriester aus?

Der Dienst des Priesters in der Schule erfordert bestimmte Haltungen und Überzeugungen. Auf schulspezifische Weise kann der Priester seine Sendung erfüllen, die ihm bei der Priesterweihe mit auf den Weg gegeben wird: „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes." Dieser aus der Eucharistie abgeleitete Dienst besagt, dass der Priester an dem weltlichen Ort Schule den Glauben an die Gegenwart Gottes bezeugt und den Menschen hilft, diese in der Schule zu entdecken. Er ist berufen, durch sein Wort und Beispiel alle Christen in der Schule daran zu erinnern, dass Jesus Christus der eigentliche Lehrer ist, zu dem Christen lebenslang in die Schule gehen. Weil in den meisten Schulen Christen mehrerer Konfessionen lehren und lernen, übernimmt er eine besondere Verantwortung, für die Einheit der Christen zu wirken und zu beten sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Gestaltung des Schullebens (z.B. Gestaltung der Advent- und Fastenzeit, Feier der Schulgottesdienste) zu berücksichtigen. Darüber hinaus bildet sich in vielen Schulen die multikulturelle und multireligiöse Wirklichkeit unserer Gesellschaft ab. Hier kann der Priester aus dem Geist Jesu Christi heraus bezeugen, dass alle Menschen Ebenbild Gottes sind. Er kann für die gegenseitige Wertschätzung und für ein gutes Miteinander eintreten.

Eingebunden in die Kirche und in eine konkrete Gemeinde setzt der Priester durch den Dienst in der Schule das Zeichen, nicht nur für die Menschen da zu sein, die sich für Jesus Christus entschieden haben, sondern über die Gemeinde hinaus zu allen Menschen zu gehen. Er ist berufen, auch diejenigen, die nicht am Leben der Pfarrgemeinde teilnehmen, die erlösende Liebe Gottes spüren zu lassen. In der Schule kann er seinen Beitrag zur Bildung des Menschen leisten, indem er glaubwürdig bezeugt, dass der Mensch mehr wert ist als das Ergebnis seiner benotbaren und ökonomisch verwertbaren Leistungen; dass die Schöpfung von Anfang an nicht restlos zu erklären ist und dass Sinn und Ziel des Menschen geheimnisvoll weit über die messbare Zeit hinausgehen.

Pater Manfred Kollig ss.cc.