Buchrezension

Walter Kardinal Kasper:
Diener der Freude. Priesterliche Existenz - priesterlicher Dienst.
Herder Verlag, Freiburg 2007, 158 S.

Unter diesem Titel hat Kardinal Kasper, tätig in der Kurie in Rom als Präfekt des Rates für die Einheit, ein Buch herausgegeben, das sich mit Fragen der priesterlichen Existenz beschäftigt. Unter einem ähnlichen Titel („Diener eurer Freude - Meditationen über die priesterliche Spiritualität“) war schon 1988 ein Buch erschienen, das Kardinal Ratzinger (heute Papst Benedikt XVI.) als Autor hatte. Wer zunächst befürchtet, in dem Buch von Kardinal Kasper eine Neuauflage von Darlegungen zu finden, die sich schon vor 20 Jahren in unserer Kirche stellten, wird beim Lesen bald davon überzeugt, dass beide Bücher trotz grundsätzlicher Fundierung in der Bibel und in Texten von Konzilien und von Kirchenvätern unterschiedliche Anliegen haben. Während das Buch von Kardinal Ratzinger ein Meditationsbuch auf der Grundlage ausgewählter neutestamentlicher Texte ist, baut Kardinal Kasper sein neues Buch auf Sachthemen auf, die heute aktuell sind, wobei aber die exegetische und dogmatische Begründung nicht zu kurz kommt. 

Das Buch gliedert sich in 8 Schwerpunktthemen: 

  1. Priestertum - Krise und Kairos
  2. Priesterliche Existenz als christliche Existenz
  3. Priestersein in apostolischer Sendung
  4. Der Priester - ein Geistlicher
  5. Priesterlicher Dienst als pastoraler  Dienst
  6. Der Priester - Zeuge des Evangeliums
  7. Im Dienst der Versöhnung
  8. Eucharistische Existenz  

Die angesprochenen Probleme geht der Autor meist mit biblischen Zitaten, mit lehramtlichen kirchlichen Erklärungen oder mit Vergleichen von Geschehnissen in der Kirchengeschichte an. 

So liegt ihm im ersten Kapitel daran, Krisen in der Kirche als Chance für eine Erneuerung zu sehen. Die Kirche sei in verschiedenen Jahrhunderten aus Krisen positiv hervorgegangen; denn Krise sei als Herausforderung zu verstehen, sich von fragwürdigen Tendenzen zu trennen. Er zeigt auf, wie in spirituell und apostolisch orientierte Gruppen heute eine deutliche Hoffnung für eine solche kirchliche Erneuerung spürbar wird.

Im zweiten Kapitel fordert Kasper eine christologische Neuinterpretation des Priestertums. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe man das schon in der Frühkirche  bezeugte Priesteramt (in den biblischen Schriften werden die Begriffe Episkopos und Presbyteros anfangs  gleichwertig gesehen, aber schon wird bald dem Episkopos die größere Verantwortung beigemessen) zu sehr nur von seiner sozialen Funktion interpretiert. Eine bibelgerechte Sicht könne aber den Priester nur vom Kreuzesgeschehen her verstehen. Christus sei durch seine Hingabe für uns am Kreuz der Befreier von Schuld und Sünde geworden – im Sinne des vierten Gottesknechtsliedes bei Jesaja und des Hebräerbriefes. Indem diese Hingabe Christi sakramentale Wirklichkeit in der Eucharistie geworden ist, kann der Priester die Eucharistie sinnvoll nur vollziehen, wenn diese Gesinnung Jesu Christi sein Denken und Handeln bestimmt.

Auf die Bedeutung der Eucharistie kommt der Autor im letzten Kapitel seines Buches noch einmal ausführlich zu sprechen, indem er sie als das eigentlich die Kirche konstituierende Element bezeichnet. Dabei ist ihm die Bedeutung des Priesters wieder besonders erwähnenswert. Es sei zwar sehr beachtlich, dass die Liturgiereform des 2.Vatikanischen Konzils gezeigt habe, dass bei der Feier der Eucharistie viele Gruppen und Einzelpersonen mitwirkten. Doch dürfe das nicht als Rollenverteilung verstanden werden. Unmittelbar „in persona Christi” könne bei der Feier der Eucharistie nur der Priester wirken. Bei diesem Kapitel spürt man besonders, wie sehr Kardinal Kasper die Ökumene am Herzen liegt. Es sei noch viel im Eucharistieverständnis mit den Kirchen der Reformation aufzuarbeiten, ehe die ersehnte Gemeinschaft in diesem zentralen Geschehen erreicht werde.

Im Kapitel vorher beklagt Kasper, dass das Sakrament der Versöhnung nur noch von wenigen Christen empfangen werde, und bittet die Seelsorger, alles zu tun, damit viele wieder die Begegnung mit der liebenden Vergebung Gottes finden. Interessant ist im 6. Kapitel die Begründung, warum in der Verkündigung zwischen Predigt und Katechese unterschieden werden muss.

Eingestreut sind an verschiedenen Stellen Meinungsäußerungen zu aktuellen Problemen. So hält der Kardinal nichts von anderen Zulassungswegen zum Priestertum als von den bisher praktizierten. Wenn auch der Zölibat von Christus nicht als Verpflichtung aufgestellt wurde, habe sich die Ehelosigkeit der Priester so segensreich ausgewirkt, dass die Kirche darauf nicht verzichten sollte. Die vielen Strukturänderungen in der Kirche führen nach Kaspers Meinung nur in Sackgassen. Helfen könne nur die Bildung geistlicher Zentren, die weit in die Umgebung ausstrahlen. 

Das Thema „Freude”, das dem Buch den Titel gibt, wird nicht ausdrücklich thematisiert, aber es wird deutlich, dass der Dienst an Menschen im Namen Christi eine innere Zufriedenheit und damit Freude schenken kann. Wer das Buch liest, wird vor allem überrascht sein von der liebenswürdigen und überzeugenden Art der Argumentation.        

Quelle: Pastoralblatt (Pbl 7/2009, S. 222-223),
Hans Hausdörfer