Der Heilige Pfarrer von Ars
Patron aller Priester

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Statue des Pfarrers Jean-Marie Vianney und eines kleinen Jungen in Ars-sur-Formans. Foto: Christoph Lennert, © KNA-Bild

„Die Barmherzigkeit Gottes ist wie ein Bach, der über die Ufer getreten ist. Die Herzen werden mitgerissen." Dieses Wort ist von Jean-Marie Vianney, besser bekannt als der „Heilige Pfarrer von Ars", überliefert. In einer durch die Wirren der französischen Revolution geprägten Kindheit wird Vianney am 8. Mai 1786 bei Lyon geboren. Verschiedene Heiligenviten überzeichneten sein Lebensbild, so dass der Pfarrer von Ars fälschlicherweise oft als wenig realitätsnah gesehen wurde und mehr das Frömmigkeitsideal des 19. Jahrhunderts zu prägen schien.

Tatsächlich ist die Biographie des Pfarrers von Ars aber weit mehr und gleichzeitig spannend zu lesen: Das Sakrament der Buße spendet ihm ein Priester, der wegen der Verfolgungen der französischen Revolutionäre im Untergrund wirkt. Ebenfalls im Untergrund empfängt Jean-Marie Vianney in einem Heuschuppen die erste Heilige Kommunion. Pastoraler Mut und religiöser Eifer sind für ihn prägend. Was er von Priestern im Untergrund erlebt hat, will er für die Menschen sein: Seelsorger aus ganzem Herzen. So begeht er - als er in den Militärdienst zum Kampf gegen Spanien eingezogen werden soll - Fahnenflucht. Entbehrungen und Enttäuschungen prägen seine jungen Studienjahre, bis er 1815 zum Priester geweiht wird.

Bereits drei Jahre später schickt ihn der Bischof nach Ars, wo er ein reiches pastorales Leben entfaltet. Seine Predigten und sein Einsatz für die Beichte machen ihn schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Barmherzigkeit Gottes will er lebendig zeigen. Und er feuert in frohem Glaubenseifer seine Zuhörer an, das Gebet als Zentrum des geistlichen Lebens zu entdecken: „Das Gebet ist nichts anderes als Einheit mit Gott", sagt der Pfarrer von Ars. Jean-Marie Vianney gibt alles was er besitzt den Armen und lebt selbst in Armut. Die Auszeichnung zum Ritter der Ehrenlegion 1855 nimmt er beiläufig zur Kenntnis. Sein Leben konzentriert er auf die Nöte der Menschen: Bis zu 17 Stunden am Tag sitzt er im Beichtstuhl. Vor allem gelingt es ihm, aus einer vormals religiös desinteressierten Gemeinde einen Ort des aktiven Glaubenslebens zu machen. Mehrfach ist es sein Wunsch, die Gemeinde in Ars zu verlassen, weil ihn die vielen Gläubigen oft ängstigen. Bereits zu Lebzeiten setzen ganze Wallfahrtsströme ein, um den Pfarrer von Ars bei seinen Predigten zu hören. Jean-Marie Vianney bleibt in der südfranzösischen Stadt bis zu seinem Tod am 4. August 1859. Den Folgen der Französischen Revolution, den Konsequenzen des Wiener Kongresses und dem freiheitlichen Aufbruch in Europa folgte er mit wacher Skepsis. Für ihn hatte der Begriff der Freiheit nur eine Bedeutung: Christus, der die Menschheit zur Freiheit befreit.

1905 erfolgte die Seligsprechung, 1925 sprach Papst Pius XI. den Pfarrer von Ars heilig, vier Jahre später wurde er zum „Schutzpatron aller Pfarrer auf Erden" erklärt. Gedenktag des Heiligen Pfarrers von Ars ist der 4. August. Bemerkenswert war seine Präsenz während des Kölner Weltjugendtags 2005: Im Zentrum für Geistliche Berufe wurde in einem Reliquiar das Herz des Pfarrers von Ars zur Verehrung bereitgestellt. Es war ein eindrucksvolles Zeugnis der Seminaristen aus aller Welt, die in dieses Zentrum pilgerten. Über allem stand für die angehenden Priester das Wort des Pfarrers von Ars: „Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, sondern für euch."

 

Matthias Kopp