Pfarrer Rüdiger Brunner

Ein Südamerika-Missionar wird Pfarrer in Berlin

Pfarrer Rüdiger Brunner

Pfarrer Rüdiger Brunner SVD

Kein leichter Start ins Leben

Deutschland, Jahr 1943. Der Krieg ist in vollem Gang, die Bevölkerung leidet in allen beteiligten Ländern unvorstellbar. In dieser stürmischen Zeit erblickt Rüdiger Brunner in der Pfalz das Licht der Welt. Seine Kindheit ist geprägt von Armut. Der Vater ist in Kriegsgefangenschaft, erst als 4jähriger lernt er ihn kennen. Das Haus der Familie ist eine Baracke und erzwungene Ortswechsel sind Teil ihres Lebens.

„Durch solche Erlebnisse konnte ich mich einfacher mit den Ärmsten der Armen identifizieren.“, empfindet Rüdiger Brunner heute im Jahr 2010. Dazu bot ihm seine 18jährige Missionarszeit Gelegenheiten genug. Als Priester war er in den 70er und 80er Jahren in Argentinien tätig. Seine Ordensgemeinschaft ist die Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SvD), bekannt als Steyler Missionare.

Der Ruf in die Mission

Der Weg begann, als Rüdiger Brunner bei seiner älteren Schwester in die Zeitschriften schaute. So bekam er die „stadtgottes“ – das Familienmagazin der Steyler – in die Hände. Der Wunsch kam auf, als Missionar tatkräftig die Entwicklung in der damals noch so genannten „3. Welt“ zu unterstützen. „Den Armen zu helfen, das Fernweh in fremde Ländern zu gehen als Missionar,  sozial aktiv zu sein – das war mein Traum.“, erinnert sich Brunner heute an die Weichenstellung in seiner Jugend. Er wechselt auf ein Steyler Gymnasium und erlebt nach dem Abitur die Zeit des 2. Vatikanums. Aufbruchstimmung und Euphorie breiten sich in Kirche und Gesellschaft aus. Eine Welle des Zustroms lässt die Orden boomen. Brunner ist selber davon inspiriert.

„Meine Spiritualität ist stark biblisch geprägt und vor allem am neuen Testament ausgerichtet. Anfangs lebte ich meine Gottes-Beziehung eher individuell. Diese wurde in Argentinien dann erweitert.“ schmunzelt Brunner, wenn er an die Erlebnisse mit dem südamerikanisch gelebten Glauben zurückdenkt. Die Menschen vor Ort beten frei und laut mit ihren Anliegen. Das Wirken Gottes wird erfahrbar. So kamen in einer ländlichen Pfarre Menschen auf Brunner zu, die Ihm fremd waren. Sie baten um die Einweihung Ihrer Kapelle. Er war sehr überrascht, denn ihr Dorf war so abgelegen, dass Brunner und seine Mitarbeiter es nicht kannten. Doch auch in diesen Menschen reifte der Wunsch, mit Gott und untereinander ihren Glauben zu praktizieren. Darum bauten sie ohne fremde Hilfe eine Kapelle. So viel Eigeninitiative und Engagement hat Brunner beeindruckt.

Neue Aufgaben

Ortswechsel nach Berlin ins Westend. Charlottenburg – eine schicke Gegend und der derzeitige Wirkungsraum für Brunner. Mittlerweile Pfarrer von Heilig Geist erlebt er nach wie vor das Wirken Gottes. „Die Menschen werden in ihrem Herzen angesprochen und beginnen dann, ganz konkret für mehr Gerechtigkeit zu handeln.“, beobachtet er. So wurde kürzlich in der Gemeinde bekannt, dass im Stadtteil über 80 Familien wegen Armut auf die „Tafel“ angewiesen sind. Um diese Familien zu unterstützen will die sehr lebendige Gemeinde nun eine neue Tafel eröffnen.

In starker Gemeinschaft

Als Ordensmann und Pfarrer zugleich ist Brunner in einer Position, die viel Herausforderung mit sich bringt. Im Verhältnis zu seiner Gemeinde erlebt er sich als ein Priester, der gleichberechtigt mit den anderen Mitgliedern die Gemeinschaft fördert und leitet: „Das  Priesteramt ist eine Aufgabe und eine Gabe, die sich mit anderen ergänzt und auf andere hin orientiert ist. Gefährlich wird es, wenn ein Priester sich vom Klerikalismus verleiten lässt und für wichtiger oder besser als andere Menschen hält.“  Brunner ist überzeugt, dass Zusammenleben und -arbeiten auf Augenhöhe notwendig ist. Reichliche Erfahrung mit der Jugendarbeit bestärkt ihn darin.

Gerne denkt er an seinen Orden, dem er sich durch die Gelübde solidarisch fühlt. Viele Kontakte mit seinen internationalen Mitgliedern schenken ihm einen weltweiten Horizont.  Bis heute durfte  er viele verschiedene Tätigkeiten und Einsatzorte durchlaufen. Diese jeweils neuen Herausforderungen haben ihn wachsen lassen.

Kürzlich hielten in seiner Pfarrkirche Kameras und Mikrophone Einzug. Das ZDF übertrug am 25. April 2010 live den Gemeindegottesdienst unter dem Motto „Bewegt vom Heiligen Geist“.  Knapp eine Million Menschen haben so mitfeiern können. Für Brunner war bei diesem Projekt spürbar, wie das Teilen der eigenen Freude andere Menschen ansteckt. Das gesamte Vorhaben fand in der Gemeinde volle Unterstützung.

Der Zukunft blickt Pater Brunner gelassen entgegen: „Ich bin dankbar für meine gute Gesundheit und wünsche mir, noch einige Jahre in Heilig Geist als Pfarrer zu wirken. Was danach kommt wird sich zeigen. Schön ist es, wenn ich mit Menschen arbeiten kann.“

Quelle: Steyler Missionare